Wie wollen die Menschen in Wandsbek wohnen – und was müssen Politik und Verwaltung beachten, wenn große Wohnungsbaukonzepte anstehen? Die letzte und noch immer aktuelle „Wohnungsmarktanalyse“ für Wandsbek stammt aus dem Jahr 2019 und enthält beispielsweise Feststellungen wie „Einwohnerzuwachs flacht ab“ oder auch „hohe Fertigstellungszahlen bei Wohnbau“ und „Wohnungsbau auf weiterhin hohem Niveau“. Das trifft auf die aktuelle Situation nach Pandemie, in Fluchtzeiten und wirtschaftlichen Herausforderungen nicht mehr zu. Entsprechend hat die Wandsbek-Koalition bei der Bezirksversammlung am 18. September die Verwaltung gebeten, bei der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen eine aktualisierte Wohnungsmarktanalyse in Auftrag zu geben, die aktuelle Daten zu Wandsbek berücksichtigt.
Das Statistische Landesamt zeigt in seinen regelmäßigen „Stadtteilprofilen“, dass sich auch die Struktur der Bevölkerung verändert: Der einwohnerstärkste Bezirk Hamburgs weist über 50 % Einpersonenhaushalte aus, beispielsweise. Zudem ist bisher ein großes Thema nicht im Blick, das mit dem für den Bedarf nach wie vor nicht ausreichenden Wohnangebot einhergeht: die Lage im Bereich Wohnungswechsel. Auch in familiär kritischen Situationen ist es kaum möglich, auszuziehen und eine neue Wohnung zu finden. Ein weiteres großes Thema kommt auf Politik und Verwaltung zu mit dem neuen Hamburg-Standard, der dazu anregt, die Flächen für Wohnungen etwas zu reduzieren: Nachdem die Wohnungen pro Bewohner zuletzt immer größer wurden, kann es Sinn machen, diesen Trend umzukehren und damit auf gleicher Grundfläche mehr Wohnungen zu ermöglichen. Der Antrag der Wandsbek-Koalition ist einstimmig angenommen worden.
Birgit Wolff, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion Wandsbek und baupolitische Sprecherin: „Wenn Bauen so teuer ist wie derzeit und vielleicht auch mindestens in naher Zukunft noch, liegt eine große Verantwortung auf Politik, Verwaltung und Bauvorhabenträgern, Wohnungsbau so passgenau wie möglich zu planen und zu realisieren. Viele Veränderung gegenüber 2019 kennen wir aus der Bezirkspolitik aus unserer Alltagserfahrung und den Gesprächen mit den Akteuren auf den beteiligten Ebenen, es gibt aber keine aktuelle Analyse, die datenbasiert Grundlagen als Gerüst für die Entscheidungen liefert – und eventuell bedarfsgerechte Anpassungen vor Ort.“
Marlies Riebe, stellvertretende Vorsitzende der Wandsbeker SPD-Fraktion: „Wohnungsbau ist und bleibt ein wichtiges Thema für uns in Wandsbek. Seit mehr als zwei Legislaturperioden sind wir auf dem Weg, neuen Wohnraum zu schaffen und erfüllen seitdem immer die im Vertrag für das Wohnen verabredeten Zahl von neuen genehmigten Wohneinheiten. Bei der Suche nach neuen Wohnungsbaupotentialen ist eine aktuelle Wohnungsmarktanalyse eine wichtige Hilfe, damit die veränderten Bedürfnisse und Interessen der Wohnung suchenden beispielsweise bei Wohnungsgröße oder Wohnform bei den Planungen angemessen berücksichtigt werden können. Deswegen setzen wir uns als Wandsbek-Koalition gegenüber der Fachbehörde für eine Aktualisierung der Wohnungsmarktanalyse ein.“
Jan-Hendrik Blumenthal, Sprecher Stadtplanung der Wandsbeker Grünen-Fraktion: „Die Wandsbek-Koalition fördert den Wohnungsbau mit allen bezirklichen Möglichkeiten: schnelle und unkomplizierte Verfahren, Schaffung neuen Planrechts und Dialog auf Augenhöhe. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. Damit wir zukünftig auch weiterhin die passenden Wohnungen auf den Markt bringen, die zu den Bedürfnissen und unterschiedlichen Lebenslagen der Bürgerinnen und Bürger passen, benötigen wir aktuelle Daten. Diese soll uns eine aktualisierte Wohnungsbauanalyse möglichst schnell liefern.“
